Schwedische Sommerfrische

21. Dezember 2018

60 Golfplätze innerhalb einer Stunde und Stockholm mit grossstädtischer Kulinarik und Kultur. Diese spezielle Kombination ergibt die Schwedische Sommerfrische.

Schon beim Anflug auf Stockholm Arlanda lassen sich zahlreiche Golfplätze ausmachen – nur schade, dass der Pilot nicht gleich neben einem von ihnen landet. Mit dem Mietwagen braucht man aber bloss eine gute halbe Stunde, um schon ein erstes Highlight zu finden: Ullna Golf nördlich der Hauptstadt. Wunderschön um einen See drapiert, wurde der Platz 1982 von einer schwedischen Sport-Legende gegründet: Sven Tumba war als Fussball- und
gleichzeitig auch als Eishockey-Profi erfolgreich. Eine sportliche Karriere als Golfer gelang ihm nicht, doch der von ihm initiierte 18-Loch-Platz, 2011 bis 2012 von Jack Nicklaus erneuert, hat grosse Klasse. Der erste Drive aufs Fairway liess einen Moment lang einen seltsamen Zweifel aufkommen: Liegt der Ball schon auf dem Green? Wunder passieren auch hier wohl nicht allzu oft, die Erklärung war schnell gefunden: Das Fairway hier ist von einer so samtenen Qualität, wie man es sich von manchem Platz für das Green wünschen würde.

Top-Plätze mit Blick auf Ryder Cup

Schon das dritte Loch, ein kurzes Par 3, wendet sich dem See zu, das Green bildet eine Insel. Der See bleibt auf fünf Löchern im Spiel, Teiche und Bäche warten an sechs weiteren Bahnen auf Bälle: Langeweile kommt gewiss nie auf.

Ullna, stets in den Top 10 schwedischer Plätze klassiert, gehört preislich zum oberen Segment. In der Sommersaison sorgt jedoch auch hier ein Greenfee-Angebot, das unter 120 Franken liegt – schönes Lunch-Buffet inklusive – für schmerzfreien Zugang. Der Preis interessiert die beiden Senioren, die den Heimweg nach der Runde antreten, wohl kaum: Sie tun dies ab dem Landeplatz neben dem sechsten Tee im eigenen Helikopter. Absolute Topklasse erwartet die verwöhnten Golfer auch im Bro Hof Slott mit seinen beiden Plätzen Stadium und Castle; es gilt seit seiner Fertigstellung 2007 als die erste Golf-Adresse Schwedens. Im Auftrag des schwerreichen Enthusiasten Björn Öras rührte Robert Trent Jones jr. mit der ganz grossen Kelle an. Das Schloss aus dem 19. Jahrhundert wurde sorgfältig renoviert und die teilweise geschützte Landschaft am riesigen Mälarensee unter strenger Überwachung des Naturschutzes umgestaltet – der Stadium Course mit dem von Anfang an erklärten Ziel, Ryder-Cup-tauglich zu sein. Nur für Profis offen sind hinter den weissen die schwarzen Tees; brutal lange 7266 Meter warten dort auf 72 oder weniger Schläge.

Zu fürchten brauchen sich Bogey-Golfer aber nicht vor dem Platz. Er ist so gekonnt angelegt, dass er auch ihnen faires Vergnügen anbietet, den Ladies ebenso. Dass ausgerechnet auf einem so edlen Golfgelände neben den hübschen, als Silhouetten des Schlosses gestalteten Abschlagsmarkierungen keine Behälter für abgebrochene Tees zu finden sind, wundert einen
dann aber schon, und man verbringt mal eine kurze Wartezeit damit, sie einzusammeln – eine rechte Menge. Ein PGA-Tour-Event, das Nordea Masters, fand hier schon statt; angesichts der
Ambitionen des Besitzers darf man gespannt sein auf die Zukunft, der
Solheim Cup ist im Gespräch.

Perfekte Kombination von Stadt und Golf

Schweden ist für Schweizer kein Eurokursverbilligtes Reiseland, die Preise für Essen, Trinken und Hotels bewegen sich nur wenig unter Schweizer Niveau. Golfen hingegen kann man oftmals deutlich günstiger, kein Wunder in einem Land mit so riesigen Platzreserven für eine kleine Bevölkerung von weniger als zehn Millionen Menschen. Nirgends in Europa ist der Sport weiter verbreitet. Knapp 480 000 Golferinnen und Golfer sind registriert, ihnen stehen fast 450 Plätze zur Verfügung. Die Schweden freuen sich über die Golftouristen und begegnen ihnen in meistens sehr gutem Englisch, manchmal auch Deutsch. Dies selbstbewusst, mit ungekünstelter Freundlichkeit und zuverlässig. Dass die Sonne gelegentlich etwas weniger zuverlässig ist, macht kaum etwas aus, als Schweizer Golfer hat man ja sowieso eine Regenjacke im Bag. Und die kann man jeweils auch bald wieder verstauen, Regenwolken bleiben hier selten lange hängen. Die zahlreichen Plätze in der Umgebung von Stockholm – es sollen über 60 innerhalb einer Fahrstunde sein – ermöglichen eine Art Golfund Städte-Trip, wie er wohl nur an wenigen anderen Orten möglich ist: morgens Golf, abends grossstädtische Kulinarik und Kultur. Das brandneue, wenig spektakuläre, aber komfortable Hotel Courtyard Marriott hat dazu die perfekte Lage, wie Patrick Kroos, der deutsch-schwedische Golfspezialist von Nordic Travel, sofort erkannt hat. Die Autobahnzufahrten sind nah, zwei U-Bahn-Stationen ebenso. Mit der sicheren und sauberen Metro ist die historische Altstadt Gamla Stan bequem in kaum 15 Minuten absolut stressfrei zu erreichen. Stadtrundfahrten per Bus oder Boot zeigen eine stolze Stadt mit viel Wasser und Grün. Danach laden ausgezeichnete Restaurants ein, neben internationaler auch die schwedische Küche zu entdecken. Ein Besuch im angesagten, sehr lebhaften «Sture Hof» lässt schon bei der Vorspeise Entdeckerfreuden aufkommen: Fünf Sorten des herrlich aromatischen und knusprigen schwedischen Knäckebrots lassen sich mit einer Auswahl von auf fünf Arten mariniertem Hering kombinieren – ob eher sauer oder süss, schmackhaft sind sie alle. Die Weinauswahl ist hier gross, die Preise entsprechen etwa jenen in einer Schweizer Stadt. In ländlicherer Umgebung hingegen wird in Schweden die Auswahl an Weinen dann aber eher dürftig, und so sollte man hier bereit sein, auf ein Bier auszuweichen. Liebhaberinnen kleiner Perlen im Glas finden fast überall einen anständigen spanischen Cava zum Anstossen oder zur Begleitung eines feinen, omnipräsenten Skågen-Toasts: frische Crevetten in Mayonnaise mit rotem Fischrogen und Dill.

Günstige Alternativen

Ein gutes Beispiel für die sehr zahlreichen schlichteren Golfplätze Schwedens ist Sigtuna, rund 30 Kilometer nördlich von Stockholm gelegen. Die ersten – flachen und offenen – Löcher lassen noch die landwirtschaftliche Vergangenheit und Umgebung des Ortes spüren, danach führen die Bahnen um und über einen mit uralten Eichen bewachsenen Hügel. Einmal verlangt nun ein schmales Tälchen Präzision, bald verlockt ein weiter Abhang zum Versuch, den ganz langen Drive zu schaffen. Auch hier kommt keinen Moment Langeweile auf, Abwechslung ohne Aufregung Golf kann ja so viel Spass machen, bei Greenfee-Preisen von 40 bis 55 Franken sowieso. In Sichtweite davon entstand in atemberaubendem Tempo eine interessante Alternative zu einem Stadtaufenthalt: Ein schwedischer Unternehmer schuf aus einer Domäne mit einem Barockschloss und einer ehemaligen Trinkerheilanstalt eine Art Resort für Freizeit und Wohnen. Erstaunlich, wie stilsicher, schlicht und sorgfältig das Hotel «Anstalten» trotz der schnellen Entwicklung erhalten, um- und ausgebaut wurde. Das Städtchen Sigtuna gilt als älteste Siedlung Schwedens Auf der nahen Insel Südöstlich von Stockholm, schon auf einer der innersten Schäreninseln gelegen, von der Stadt aus aber ebenso schnell und problemlos mit dem Wagen zu erreichen, liegt der G&CC Fågelbro. Hier verbringen Stockholmer Familien ihre Wochenenden, reiten, schwimmen im Pool, spielen Tennis und Golf. Die ersten neun Löcher führen zwischen runden Felsen hindurch, wie sie für die Schäreninseln typisch sind. Moose, Farne, Himbeeren, Brombeeren und Pilze wachsen zwischen den Bäumen, man fühlt sich an den Jura erinnert – nur auf einer Insel. Bewässert werden die Golfflächen mit eigens aufbereitetem Brackwasser. Dieses bildet auch den künstlichen See, um den die zweiten neun Löcher herumführen. Das 17., ein Par 5, verlangt auf den kurzen 416 Metern ab Gelb einige Genauigkeit; zweimal drängt sich der See von links heran, rechts ist es fast auf der ganzen Seite von Wasser gesäumt. Man tut gut daran, sich den Verlauf des Fairways vom erhöht gelegenen Abschlag aus zu merken, um trockenen Balles das wiederum erhöht gelegene Green zu erreichen. Und wenn man das dann sogar Par geschafft hat, gibt man der Jury recht, die dieses Loch als eines der 50 schönsten in Schweden auszeichnete. Ganz in der Nähe liegt übrigens auch der sehr gepflegte 18-Loch Platz Wermdö. Für diesen fehlte uns bei unserem Kurztrip leider die Zeit. Falls es einen auch kurz vor dem Rückflug noch juckt: Die 18 Löcher von Arlandastad gehören zu jenen, die schon beim Anflug zum Greifen nah waren.

 

Text: Stefan Waldvogel, Chefredaktor Golfsuisse, Golfsuisse

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