Golfen auf der Götteninsel: Zypern - Green Golfreisen

Golfen auf der Götteninsel: Zypern

3. Dezember 2018

Golfen auf der Götteninsel: Zypern

Die Insel im östlichen Mittelmeer lockt immer mehr Golf-Touristen an. Zypern bietet aber auch viel Geschichte und Kultur.

Frühaufsteher sind im Vorteil. Nach der Umstellung auf die Winterzeit geht die Sonne auf der «Götterinsel» bereits kurz nach 17 Uhr unter. Sie versinkt jeden Abend kitschig schön direkt im Mittelmeer, tausendfach fotografiert. Dies nicht nur bei den bekannten Felsen von Petratou Romiou. An dieser Stelle wurde der Legende nach Aphrodite geboren, hier entstieg die griechische Göttin der Schönheit und der Liebe dem Meer. Das zieht die Touristen zu Tausenden an. In den Vollmondnächten ist hier noch mehr los, dann schwimmen Dutzende junge Paare um den Felsen. Wer ihn dreimal umrundet, wird mit ewiger Liebe belohnt, sagen die Zyprioten. Bis heute ist sie eine Art Nationalgöttin und vor allem im Südwesten der Insel allgegenwärtig.

CARTS ONLY

Oberhalb des sagenumwobenen Felsens ziehen sich die weitläufigen Golfbahnen durch die sonnenverbrannte Hügellandschaft. Aphrodite Hills ist der berühmteste und teuerste Platz auf der Insel, zugleich wohl der spektakulärste. Wegen den teilweise sehr grossen Distanzen zwischen den Löchern ist hier ein Cart Pflicht und entsprechend im Greenfee von 143 Euro in der Hochsaison inbegriffen.

Heute seien 185 Gäste auf der Liste, erklärt der freundliche Starter und mahnt uns, am vorderen Flight «dranzubleiben», viel mehr könne man nicht machen. Alle acht Minuten schickt er eine Gruppe auf den Parcours, der auf zwei grossen, sanft gewellten Hochplateaus immer wieder einen sehr schönen Blick aufs Mittelmeer bietet. Besonders spektakulär ist etwa die Bahn acht, direkt hinter dem Green leuchtet das tiefe Blau des Wassers. Allerdings entsteht gleich daneben die nächste Luxusvilla im Grossresort, sie könnte künftig den eindrücklichen Blick trüben. «Unverbaubar» ist das zweite Signature Hole gleich davor. Nach einer langen Fahrt in eine tiefe Schlucht schlagen die Spieler ihren Ball über den Abgrund auf das kleine Grün. Obwohl ab Gelb bloss 128 Meter lang, kostet die 7 auf Aphrodite Nerven und viele Bälle. Der rote Frauenabschlag wäre eigentlich auf der anderen Seite der Schlucht, doch beim dritten Versuch schafft auch unsere österreichische Mitspielerin das kleine Abenteuer ab Blau. Die Dropping Zone wird aber rege benutzt. Ein klassisches Wasserhindernis kommt auf dem 2002 gebauten, gut 300 Meter über dem Meer gelegenen Platz dann aber erst wieder auf der Schlussbahn ins Spiel. Die Fahne steht dort direkt hinter dem langgezogenen See auf der rechten Seite, und dieser «schluckt» eher noch mehr Bälle als die Schlucht auf Bahn 7.

ZU WENIG CARTS

Von Aphrodite Hills sieht man von einigen Stellen aus den «Nachbarclub» Secret Valley, der sich geschickt durch das enge Tal schlängelt. «Beware of Snakes» steht auf diversen Schildern neben den Wasserhindernissen, allerdings sind auch hier die Spuren des trockenen Sommers nicht zu übersehen und die Wasserstände sehr tief. Secret Valley Golf ist ab Gelb bloss 5050 Meter kurz, doch wegen der teilweise engen Spielbahnen sogar etwas schwieriger eingestuft als Aphrodite. Statt des Blicks aufs Meer dominieren hier die gigantischen rötlichen Felsen. Den Parcours kann man bequem laufen; weil die meisten Touristen aber doch lieber im Cart unterwegs sind, werden bei unserem Besuch die Gefährte knapp. «Das nächste Mal müssen Sie unbedingt einen Cart reservieren», rät die nette Frau am Empfang. So reicht es noch knapp für ein älteres Modell ohne Kühlbox. Dank diversen Getränkeautomaten und einem netten Halfway ­Service sind wir auf der Runde trotzdem bestens mit Nachschub versorgt. Eher schwierig ist dann hingegen die Getränkebestellung im Restaurant. Auf meine höfliche Nachfrage, ob sie vergessen ging, reagierte die Kellnerin nach einem langen Tag sichtlich genervt. Wahrscheinlich hat die deutsche Scramble ­Truppe vor uns ihre Birdies schon ausgiebig gefeiert. Wer im Secret Valley gerade aus spielt, wird auf jeden Fall mit golferischen Erfolgserlebnissen belohnt. Und für den kitschig schönen Sonnenuntergang hat es uns ebenfalls noch gereicht.

MINTHIS IM UMBAU

Präzision statt Länge ist auch im ältesten Golfplatz Zyperns gefragt. Der Minthis Golf Club wurde 1994 eröffnet. Behutsam hat Designer Donald Steel die 18 Löcher in die historische Landschaft rund um das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kloster Minthis oberhalb der Hafenstadt Páfos eingefügt. Viele Oliven­ und Obstbäume oder Weinreben säumen die hügeligen Spielbahnen auf gut 550 Metern über dem Meeresspiegel. Auf, aber ebenso neben dem Platz wird derzeit sehr viel gebaut, unter anderem Suiten, ein Spa und eine neue Driving Range. Was bleibt, ist unter anderem der schöne Blick auf das Troodos­ Bergmassiv und das spektakuläre Inselgrün auf Loch 14. Wegen des aktuellen Umbaus misst der Platz ab Gelb derzeit 5100 Meter, dies bei Par 69 für die Männer und 71 für die Frauen.

SPORTLICHES HIGHLIGHT ELÉA

Gleich neben dem Flughafen von Páfos liegt Eléa Estate, doch von den Flugzeugen hört man auf dem Golfplatz von Designer Sir Nick Faldo nichts. Angelegt auf einer ehemaligen Johannisbrotbaum­ Plantage, blickt man als Golfer zunächst auf eine Industrieanlage, doch schon bald öffnet sich eine imposante Kulisse mit dem Mittelmeer und der Altstadt von Páfos. Im starken Kontrast zum dunkelgrünen Paspalum ­Gras der Fairways steht der verwitterte Kalkstein, der an vielen Stellen zutage tritt. Hier sind die Teeboxen gepflegter als viele Grüns, die ich schon gespielt habe. Typisch Nick Faldo sind aber auch die teilweise brutal schwierigen Bunker, welche die Ziele verteidigen. Dazu kommen grosse, trickreiche und vor allem sehr schnelle Grüns. Elea ist sicher das sportliche Highlight auf der Golferinsel, da nimmt man die eine oder andere Wartezeit beim Abschlag «sportlich». Bei unserem Besuch staut sich das Spiel speziell auf den Backnine. Etwa, weil sich der Flight vor uns zutraute, das Green aus über 240 Metern anzugreifen, die Bälle dann aber auf halber Distanz liegen blieben… Richtig knackig sind dann beispielsweise die beiden Schlusslöcher mit je über 400 Meter Länge (ab Gelb), für die Frauen ist die 17 immerhin ein (schwieriges) Par 5. Trotz einiger kurzer Par­ 3 ­Bahnen sind in Eléa die Golf­ Touristen gefordert, von den vordersten Abschlägen ist der Platz beachtliche 5152 Meter lang. Ab den hintersten Teeboxen sind es sogar monsterhafte 6775 Meter. Zum Glück bleiben diese den Profis überlassen.

Der grosse See beim Schlussloch im Aphrodite Golf. Mitte: Impressionen von Secret Valley und Eléa. Darunter: Das Inselgrün von Minthis und die spezielle Stimmung im Eléa Golf.

ZYPERN – VOLLER GESCHICHTE

Zypern – inklusive seines türkisch besetzten Nordens – steckt voller Geschichte und ist gesegnet mit einem reichen Kulturerbe. Von der Teilung merkt man als Tourist in der Regel nichts, für einen Ausflug auf den einzigen Platz im türkischen Teil (Korineum Golf) ist die mehr als zweieinhalbstündige Autofahrt für die meisten Gäste von Páfos aus zu weit.
Dafür bietet die Vergangenheit genügend Abwechslung für einen golffreien Tag, so etwa die diversen Tempel, Theater, Kirchen, Klöster und Burgen. Die Hafenstadt selber wurde 2017 zur Kulturhauptstadt Europas gewählt. Neben der renovierten Altstadt sind insbesondere die Königsgräber und der grosse Archäologische Park die Hauptattraktionen. Im Park liegen auf einem riesigen Areal all die Schätze, die Archäologen in den letzten Jahrzehnten bei Ausgrabungen ans Tageslicht beförderten – Funde aus frühchristlicher, fränkischer, vor allem aber aus römischer Zeit. Katakomben, Kirchen, Bäder, Marktplatz, Theater und vier mit Mosaiken gepflasterte Villen. Herausragend dabei ist das Haus des Dionysos. Es hatte einmal 40 Räume, alle öffentlichen Bereiche rund um das Atrium waren mit aufwendigen Mosaikböden ausgestattet. Dass die Besucher einen Teil dieser Kunstwerke heute (wieder) bewundern können, war übrigens Zufall. Erst 1962 hatte der Bauer Hasip beim Pflügen auf seinem Grundstück neben dem alten Hafens die heute weltbekannten römischen Mosaike entdeckt.

Text: Stefan Waldvogel, Chefredaktor Golfsuisse, Golfsuisse

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