Schottland im Herbst: Golfen zwischen Whisky-Destillerien und Farbenpracht
Wenn sich im September die schottischen Hügel kupferrot färben und das Heidekraut blüht, beginnt eine der reizvollsten Zeiten für Golfreisen. Der Herbst bringt nicht nur milderes Licht und weniger Gedränge auf den Fairways, sondern verbindet das Spiel auf legendären Links mit der Möglichkeit, zwischen den Runden eine Whisky-Destillerie zu besuchen.
Schottland zählt zu den faszinierendsten Golfzielen Europas, doch gerade im Herbst entfaltet das Land seinen besonderen Charakter. Die Sommergäste sind abgereist, die Startzeiten auf den grossen Plätzen einfacher zu bekommen. Gleichzeitig sorgen die längeren Schatten und das weichere Licht für Stimmungen, die man im Juli so nicht erlebt. Wer im Oktober nach St Andrews, Carnoustie oder in die Highlands reist, spielt oft bei angenehmeren Temperaturen als im Hochsommer und erlebt die Landschaft in jener Farbenpracht, für die Schottland berühmt ist.
Links-Golf in seiner ursprünglichen Form
Die grossen schottischen Golfplätze sind mehrheitlich Links, also Küstenplätze mit sandigem Untergrund, natürlichen Dünen und dem ständigen Einfluss des Winds. Im Herbst zeigt sich dieser Charakter besonders deutlich. Die Fairways sind durch den Regen des Spätsommers noch grün, aber das Rough ist dichter, die Bälle rollen schneller. Auf Plätzen wie dem Old Course in St Andrews oder dem Championship Course in Carnoustie spürt man im September und Oktober die ganze Bandbreite schottischen Wetters innerhalb weniger Stunden.
Wer Erfahrung mit Links-Golf hat, schätzt die Herbstmonate. Die Bedingungen sind anspruchsvoll, aber fair. Der Boden ist fest genug, um strategisches Spiel zu belohnen, und das Licht bleibt bis in den späten Nachmittag hinein gut. In East Lothian, rund um Gullane und North Berwick, liegen einige der schönsten Herbstplätze dicht beieinander. Man kann an einem Tag mehrere Runden spielen und erlebt dabei jedes Mal andere Lichtverhältnisse.
Whisky-Destillerien als kultureller Gegenpol
Eine Golfreise durch Schottland im Herbst lässt sich hervorragend mit Besuchen in Whisky-Destillerien verbinden. Speyside, die Region mit der höchsten Dichte an Brennereien, liegt nicht weit von Golfplätzen wie Royal Dornoch oder den Anlagen rund um Nairn entfernt. Auch Islay, bekannt für seine rauchigen Malts, bietet mit Machrihanish Dunes einen Links-Platz von internationalem Rang.
Die Destillerien öffnen im Herbst oft für kleinere Gruppen, die Führungen sind entspannter als im Sommer. Man riecht das Malz, sieht die Kupferkessel arbeiten und probiert am Ende einen Dram, der nach einem windigen Tag auf dem Platz besonders gut schmeckt. Die Verbindung von Golf und Whisky ist keine touristische Erfindung, sondern Teil der schottischen Lebensart. Viele Clubhäuser haben eine eigene Whisky-Auswahl, und nach der Runde gehört ein Glas am Kamin zur Tradition.
Praktische Überlegungen für Herbstreisen
Die Flugverbindungen von Zürich nach Edinburgh sind ganzjährig gut, die Flugzeit beträgt rund zweieinhalb Stunden. Von Edinburgh aus erreicht man St Andrews in etwa anderthalb Stunden mit dem Mietwagen, die Highlands liegen drei bis vier Stunden nördlich. Wer mehrere Regionen kombinieren möchte, plant am besten eine Rundreise mit zwei oder drei Standorten.
Im Herbst sollte man wetterfeste Kleidung dabeihaben. Regen gehört dazu, aber oft zieht er rasch weiter. Die Temperaturen liegen tagsüber meist zwischen 10 und 15 Grad, am Abend kann es kühler werden. Die meisten Golfhotels bieten Pakete mit Frühstück und einer bestimmten Anzahl Green Fees an. Die Preise sind im Herbst oft niedriger als in der Hochsaison, und man hat mehr Flexibilität bei der Platzwahl.
Hotels und Standorte mit Charakter
In St Andrews gibt es mehrere Hotels direkt am Old Course. Das Old Course Hotel, Golf Resort & Spa liegt unmittelbar neben dem 17. Loch, das Rusacks St. Andrews Hotel bietet Blick auf das berühmte Clubhaus. Beide Häuser sind solide Ausgangspunkte für Runden auf den sieben öffentlichen Links der Stadt. Wer es etwas ruhiger mag, findet in Gullane mit dem Greywalls Hotel oder dem neuen The Bonnie Badger charmante Alternativen in unmittelbarer Nähe zu mehreren erstklassigen Plätzen.
Im Norden, rund um Aberdeen, bietet das MacLeod House & Lodge am Trump International Golf Links moderne Zimmer mit Meerblick. In Perthshire, etwas weiter im Landesinneren, liegt das Murrayshall Country House Hotel inmitten eines Parks mit eigenem Platz. Auch das Dalmahoy Hotel & Country Club bei Edinburgh ist eine gute Wahl für jene, die Stadt und Golf verbinden möchten.
Wer eine Rundreise plant, kann im Süden bei Turnberry starten, dann über St Andrews in die Highlands fahren und in Dornoch oder Nairn abschliessen. Die Strecken sind landschaftlich reizvoll, und zwischen den Etappen lassen sich problemlos Destillerien oder kleine Küstenorte einbauen.
Schottland im Herbst ist keine Schönwetter-Garantie, aber eine Golfregion mit Tiefe. Man spielt auf Plätzen, die seit Jahrhunderten existieren, trinkt Whisky, der in der Nähe destilliert wurde, und erlebt eine Landschaft, die gerade im Oktober ihre volle Farbpalette zeigt. Wer Links-Golf mag und sich nicht an wechselndem Wetter stört, findet hier im Herbst ideale Bedingungen.